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Eine Familienradreise durch Südamerika

...Paso Sico - zwischen Sand und Bohème...

Bevor der nächste Reisebericht beginnt, möchten wir uns erstmal für eure Kommentare, Nachrichten und Grüße bedanken! Es ist immer schön ein Feedback zu bekommen ;)

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Nach der kräftezehrenden Lagunenroute, kann man sich gerne ein paar Ruhetage mehr gönnen.
Nicht nur um sich zu erholen und dabei seine Energie mit dem leckersten Eis aufzufüllen, sondern auch um dabei sich zu entscheiden wie die Reise weitergeht...
Noch in Berlin, sagte ich bei Anblick der Weltkarte, wie froh ich bin, wenn ich es überhaupt bis nach Bolivien schaffe. Und unser Glück so weit bis dahin gekommen zu sein, liegt unter anderem ganz bestimmt daran, dass das einzigst festgelegte Ziel, die 'Salar de Uyuni', sich in Bolivien befindet. So habe ich das zumindest bis Ende Ecuador gedacht.
Und jetzt, nach der Lagunenroute kann ich mir sogar vorstellen so ziemlich alles zu fahren.
Also ab nach Patagonien!? Brasilien ist auch schön! Von Paraguay und Uruguay hört man gar nichts...
Der Kontinent ist riesig, die Neugierde noch größer, die Zeit knapp, die Reisekasse immer knapper....
Konzentrieren wir uns erstmal darauf, über welchen Pass wir die Anden nach Argentinien überqueren.
Paso Jamás ist geteert, relativ einfach zu fahren und auf der argentinischen Seite wohl ziemlich schön - Aber wir rollten ihn bereits 42 km von der bolivianischen Grenze nach San Pedro de Atacama bergab.
Paso Sico - Ein weiteres Mal Schotter, Sand und Wellblech? Haben wir davon nicht noch genug?
Bei beiden Strecken, muss man für etwa 5 Tage essen mitschleppen. Wasserstellen gibt es spätestens nach 2 Tagen.
Am Ende entscheiden wir uns für Letzteres. Wer weiß, wann wir sonst nochmal zu solch üblen Straßenverhältnissen kommen ;)
Die ersten Kilometer strampeln wir über feinsten Asphalt, entlang der Salar de Atacama, die auf ca 2600 müNN liegt. Eine Höhe, auf der wir uns tatsächlich schon Monate nicht mehr befanden.
Die Hitze und das angesetzte Eis, lassen uns trotz perfekter Straße nur langsam voran kommen. Der nächst gelegene charmante Ort Tocanao und das überaus einladende Angebot eins Hüttenbesitzers, ließen uns dann auch gleich das Radeln bereits am Mittag beenden.
Auch der nächste Tag meinte es gut mit uns - Asphalt, flach und kaum Verkehr.
Zur rechten Seite flackerte vor Hitze die noch immer im Blickfeld währende Salar de Atacama. Auf der linken Seite, rahmten uns die in Reihe und Glied stehenden Vulkane ein.
Der Anblick ist majestätisch und bei den Gefahrenschilder, welche so am Straßenrand rumstehen, fühlt man sich auch gleich....beruhigt???


Bald schon stieg die Straße an und es schien, als würde sie es endlos tun. Immerhin, hatte ich nun keine Kraft mehr um mir noch mehr Gedanken über die Vulkane zu machen.
In Socaire, dem letzten zivilisierten Ort vor der Grenze, trafen wir auf 3 Radler, mit dem selben Vorhaben, aus Frankreich.
Gemeinsam radelten wir am nächsten Tag los. Aber auch nur los...Beim ersten langen Anstieg, zog uns unser voll bepacktes und doppelt so langes Gefährt weit nach hinten und mit ihm die Motivation...
Dank einigen Kilometer auf einer Ebene, kehrt die die Motivation wieder zurück, bis:


Nicht weit entfernt von Socaire die schöne Asphaltstraße endet und harter Waschbrett uns begrüßt.


Ruckelnd kletterten wir wieder auf unsere gewohnte Höhe von über 4100 müNN, bevor die Strecke weiter hügelig verlief und uns bald mit einem wunderschönen Ausblick auf die 'Laguna Aguas Calientes' bescherte.



Jamun rief leicht erschrocken, ob wir schon wieder auf der Lagunenroute sind?
Der Anblick der Berge, Seen und die Farben erinnern wirklich sehr daran.


Wie es scheint gewinnt die Freude
Unten an der Lagune fanden wir einen schönen Platz zum Zelten und auch wieder die 3 Franzosen und die beiden Österreicher.


Am nächsten Morgen, sind wir 3 mal wieder die letzten, die auf ihren Rädern sitzen. Doch so kamen wir endlich mal zu der Antwort - und dazu noch zu einem Foto -  über die wir schon lange krübelten.
Die wild kultivierten Andenbewohner, gehen tatsächlich auf ein Klo!


Ein paar Kilometer nach der Laguna, erreichten wir den Lago Tuyaito, welcher in karibischen türkis Tönen funkelte. Vicuñas und Flamingo bewohnten den See, im Hintergrung erhoben sich die teilweise mit Schnee  bedeckten Berge. Ein magisches Gemälde, an dem wir uns noch immer nicht satt gesehen haben und für einen Moment jede Anstrengung, gemeinsam mit dem Wind  vorbei ziehen lässt.

 

Weiter auf teilweise guter Piste, kletterten wir über den Abra El Laco auf über 4578 müNN. Von dem Gipfel aus sahen wir den chilenischen Grenzposten, der in  einer schönen Mulde 300 Meter weiter unten lag.



Bevor wir den nächsten Anstieg antreten, füllten die freundlichen Beamten noch einmal unsere Wasserflaschen auf.  Mit stetigem Blick zum nächsten Pass, kletterten wir ermüdet hinauf. Er fühlte sich endlos an...
...bis wir endlich  über eine feste Lehmpiste in eine rosa, gelb leuchtende Hügellandschaft, welche schon fast surreal wirkte, hinunter rollten.


Nach einigen Kurven überbrückte ein rostiger Grenzbogen, an dem wackelig ein Schild "Argentina" hing, die Straße.


10 Kilometer lagen nun noch bis zum Grenzposten, in dem man übernachten kann, vor uns.
Aber auf so einer Strecke können 10 Kilometer lang sein...und so entschieden wir uns,  die Nacht mit dem Kopf in Chile und den Füßen in Argentinien zu verbringen.


Gute Entscheidung! Mit dieser geographischen Grenze änderte sich nicht nur das Land, sondern auch gefühlt Millimeter genau der Boden. Adiós fester Lehm, der sich beinahe wie Asphalt anfühlte; bienvenidos Sand und Geröll!
Mitten im Nichts, zwischen ein paar Bergen und Sand, auf dessen Art Straße uns maximal 3 Autos pro Tag begegneten, stand vor uns ein Komplex, welches größer als alle bisherigen überschrittenen Grenzposten schien.


Die Zollformalitäten verliefen hier schnell und unkompliziert, obwohl wir die Beamten wohl gerade teilweise erst geweckt, oder bei ihrem ersten Mate  unterbrachen  und die Computer erstmals hochfahren mussten. Mit so frühem "Besuch" rechnet man hier wohl nicht...  aber dafür waren die Beamten doch sehr schwatzhaftig und neugierig. Nochmal Wasser auffüllen, Fotos knipsen und weiter.
Wir entschieden uns für die (gedacht) bequemere Variante, die zwar ein paar Kilometer länger sein soll,  aber dafür weniger Anstiege.
Die Bequemlichkeit endete zwischen Sand und Waschbrett mit Gegenwind - definitiv ein Grund sich gegen Patagonien und die Careterra Austral zu entscheiden!
Später entdeckte Jamun, wie aus dem Kanister Wasser tropfte und wir so bestimmt schon 2 Liter verloren. Zum Glück war es ja heiß, gab kein Schatten und es passierten uns den ganzen Tag genau 2 Autos.
Am Nachmittag, als wir gerade eine Pause am Rand einlegten, sahen wir endlich ein Wohnmobil anrollen. Ich stoppte es und fragte nach Wasser. Die Frau bedauerte allerdings, dass sie nur noch 2 Flaschen Wasser hätten und in die 200 Km weit entfernte Stadt Salta müssten... wahrscheinlich sind dies auch die Touristen, welche sagen Kolumbien ist gefährlich ....
Naja, es war eine Frage und das letzte Auto, das uns an diesem Tag begegnete. Somit, mussten wir den nächsten Ort Olacapato definitiv erreichen, oder trockene Nudeln zum Abendessen knabbern.
Wir waren uns einig - Olacapato!


Wir schoben durch den tiefen Sand und treteten in die Pedalen über das Waschbrett, dem Sonnenuntergang entgegen. Eigentlich ja ganz hübsch, aber die Zeit zum genießen, hatten wir dann auch nicht.


Gegen 21 Uhr und einer Tagesetappe von 80 km und knapp 500 hm erreichten wir,  mit dem letzten Tropfen Wasser in der Flasche und völlig erschöpft, Olacapato. Glücklicherweise fanden wir hier ein kleines alojamiento, in dem wir mit den noch übrig gebliebenen chilenischen Pesos bezahlen konnten.
Der Ort Olacapato, scheint in einer einzigen Sandgrube zu liegen, weshalb man nur sehr langsam vorwärts kommt und man das Gefühl hat, diese Gegend nie mehr zu verlassen.
Erst nach  einer Weile, wurde unser Auge mit einem Fluss beschenkt. Langsam wurde es grün. Eine Kurve weiter und schon bekam man das Gefühl in einer Oase zu radeln.



Nochmal über einen Pass, Abra Chorillos (4555 müNN) und all unsere Mühen  wurden durch das vor uns liegendende und atemberaubende  Panorama, vergessen!
Dieser Anblick lies unsere Herz für Argentinien gleich höher schlagen.




Und auch hier in Argentinien wird stets pachamama (Mutter Erde) geehrt...



Langsam rollten wir in San Antonio de los Cobres ein. Hier begann das fast vergessene Leben wieder zu pulsieren. Es gab laute Musik, Läden mit Gemüse, Menschen die auf den Straßen süßes Gebäck verkauften, oder in ihren Blechfässer Fleisch grillten. Die Menschen sind freundlich, zuvorkommend, und offen.
Im Hinterhof des Polizeireviers durften wir unser Zelt aufschlagen, ihre Küche und Bad benutzen!
Ob unsere Polizei bei so etwas auch noch Freund und Helfer ist?

Gut ausgeschlafen und freudig schwangen wir uns auf die Räder. Denn heute strampelten wir erstmal über den letzten 4000er Pass, wenn nicht sogar der Letzte  dieser Südamerika Tour... so richtig entschieden, wo es danach lang geht, haben wir uns immer noch nicht...
Nach diesem Pass stürzen die Anden, über 2400 Höhenmeter hinunter,  nach Salta!!!




Bääm - unsere Räder bremsen wir bei 68 km/h runter, Jacken,  lange Hosen werden unten in den Taschen verstaut, zwischendurch nochmal Bremsbacken auswechseln.
Zuerst dominieren, Felsen und Kakteen,



bald darauf sehen wie die  ersten argentinischen Rinder auf der Weide, Bäume  kommen zum Vorschein, der Wind raschelt in den Blättern.  Große Euphorie strömt über uns ein!


In der Pause gönnen wir uns leckere Alfajores, eine argentinische süße Spezialität und rechnen freudig in unseren Köpfen, wie wir es noch heute, vielleicht in 4 Stunden?-  bis nach Salta schaffen könnten...
Doch eine Kurze Pause kann alles ändern! Dafür brauch man nur etwas Wind - starker Wind und den schön ins Gesicht! Und schon darf man hier wieder bergab treten. Kommt man in die Versuchung mal kurz nicht bergab zu treten, bleibt man stehen.
Unsere Idee, es bis nach Salta zu schaffen verfliegt mit dem nächsten Windstoß.
In einer kleinen Siedlung, kaufen wir vorsichtshalber nochmal essen ein und füllen unsere Wasserflaschen auf.
Ein Polizist steht ebenfalls im Laden um Bier zu kaufen. Während er seine 2 1,5l flaschen  Bier in eine 2 Liter Thermostate umfüllt, Pfand existiert hier nicht wirklich, fragte er nach unserer Reise und Herkunft. Deutschland - er schaut auf seine Bierflasche, welche nicht mehr ganz in seine Kanne passte, blickte zu mir und schob lächelnd die Bierflasche zu mir rüber.
Schön, wenn man uns gleich mit Bier in Verbindung bringt und einen erst gehen lässt, wenn die Flasche leer ist. Immerhin war die Laune gleich besser und der Wind - man könnte sagen, beinahe gleichgültig.
Auch dass die Straße sich  bald wieder in Schotter und feinem weißen Staub verwandelte, tangierte mich nicht mehr. Zum ersten Mal seit langem, ungefähr seit Ecuador,  fanden wir ein Platz für unser Zelt auf einer Wiese und Jamun war überaus glücklich seit gefühlt genauso lange, wieder mit Stöcken spielen zu können...


Um dem Gegenwind zu entkommen, stellten wir für den nächsten Tag den Wecker und brachen pünktlich zum Sonnenaufgang auf. Der Weg führte entlang der bekannten Touristen-Zugstrecke   'tren a las nubes' (Zug zu den Wolken). Aus recycelten Plastikflaschen gebastelte Blumen und Rosenkränze, zierten den Straßenrand.
Vorbei sausende Autos staubten uns komplett ein. Ein kleine Zeitreise in die Zukunft, wie wir in 10 Jahren oder so aussehen könnten ;)


Vögel zirpten in den saftig grünen Bäumen, von denen manche in prächtig roter und lilaner Blüte standen. Je näher wir an Salta kamen, desto mehr trafen wir auf pulsierendes Leben. Aus allen Ecken riefen  die Bewohner ein freundliches 'adios' und winkten uns entgegen.
Bunt gestrichene Kolonialhäuser, Veranden, prunkvoll bunte Kirchen, Plazas, Palmen, Orangenbäume, Musik, Fußgängerzonen, Boheme-Boutiquen...
Hier herrscht das genüsslich italienisch geprägte  'Dolche vita'

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